Ja, das waren noch Zeiten! Der gute alte Musikclub Schlachthof Offenbach, mit dem guten alten Ex-Post-Lkw "Magirus-Deutz", der gute alte Schnorres und die Pilotenbrille, weil Jon Lord auch so eine hatte. Gut, seine war von Rayban, meine vom Offen-bacher Flohmarkt, aber sonst...

 

Ja, das waren wirklich noch Zeiten!

 

1955:

Als ganz Deutschland noch mit Kohle und Briketts heizt, finde ich mich im Stadtkrankenhaus Offenbach ein. Mein Vater kann Klavierspielen, zwar nur in C-Dur, aber das unheimlich laut.

 

1961:


Meine Eltern beschlossen, dass ich Talent zum Klavierspielen habe. Ein bemitleidenswerter Klavierlehrer namens Herr Vasen, später -nachdem er die Nerven verloren hatte- ersetzt durch Herrn Blum, nimmt sich meiner an.
An diese Zeit erinnere ich mich hauptsächlich deshalb, weil ich auf dem Weg in die Klavierstunde vom VW-Bus des Dachdeckerbetriebes Eckart angefahren wurde. Die Lampe des Busses ging kaputt. War das ein Wink des Schicksals? Hätte ich das mit der Musik aufstecken sollen? Würden später die lightshows funktionieren?

 

1969:


Meine Eltern, Herr Pfarrer Schwender und auch mein Klavierlehrer (wollte er mich loswerden?) versteigen sich in die Meinung, ich hätte auch Talent zum Orgel-spielen. Tausende von braven Kirchgängern, die das wirklich nicht verdient hatten, wurden in den folgenden Jahren vom Gegenteil überzeugt. Entschuldigen Sie bitte, Herr Weyrich. Ich hab's doch nicht extra gemacht...

1974:

 

Der Rebell in mir beendet jedwede Form von klassischem Unterricht und beschließt, ein Rock'n'Roller zu werden. Die jetzt zusammengestellte Band ("Billy's Brother") hatte einen einzigen Auftritt: als Vorgruppe von "Merlins Fantasy Farm". Es gab 80 Mack Gage, die leider draufging, als Hagen (ebenfalls Mitgründer von NEW DEAL ) der Kellnerin nach dem Auftritt ein Tablett mit großen Bieren für beide Bands aus der Hand schlug. Dabei wollte er nur mit beiden Händen zeigen, wie groß seine Aufregung vor dem gig war...

 

1978:


Das war schon hart! Ringsum spielten etablierte Bands (an die heute keiner mehr denkt) in allen möglichen Jugendzentren und Turnhallen und räumten bei jedem Auftritt ab. Oder (was noch schlimmer war!) neue Bands formierten sich und entpuppten sich schnell als Senkrechtstarter mit eigener LP usw., allen voran natürlich die Rodgau Monotones. Da musste man machtlos mit zuschauen.

Hagen und ich suchten Mitmusiker, und er brachte aus der Schule den Drummer Günter und den Sänger Marco mit, damals natürlich alle noch mit wallend-langem Haar und mancher auch mit verfilztem Bart. Wir versammelten uns in einer Rodgauer Waschküche mit Ulli (für den bald der verrückte Brownie kam, für den dann der noch aktuelle Lupo kam)und beschlossen, diesen new deal zu wagen; Hagen: "Wenn das klappt, dann nennen wir auch die Band so!" So geschah's.

Ja, und ich war dabei!

Falls einer wirklich mal wissen will, was die miesesten und störanfälligsten Keyboards waren, die es je gab: Fragt mich. Ich hatte sie alle...

Mit meinem R4 haben wir drei Fahrten Hanau - Offenbach gemacht, um alle Instrumente zu transportieren, nachdem wir für eine Bratwurst und drei Bier pro Schwanz in einem Schwulenclub gespielt hatten...

 

Der Rest ist bekannt. Irgendwie haben wir durchgehalten und ich blieb dabei. Seit 1980 freue ich mich über meine Hammond-Orgel (L-100, Baujahr 1969), die zum Leidwesen der fünf NEW DEAL -Wirbelsäulen alsfort mitreisen muss.


Warum mache ich das eigentlich immer noch? In meinem Alter gehen andere in die dritte Kur, gucken die Musikantenscheune, haben Herzinfarkte und/oder ein Haus gebaut, fahren eine C-Klasse, führen einen englischen Terpentiner Gassi und haben einen röhrenden Hirsch über der Wohnzimmercouch. Und ich? Warum nur?

Ja - weil's mir Spaß macht. Ich amüsiere mich total auf der Bühne, habe meine liebe Freude, wenn in den Reihen die Hände hochgehen, finde unseren Sound gut, fühle mich mit NEW DEAL wie in einer alten Familie, bei der die beiden Oldies -Marco und ich- wohl das alte Ehepaar sind.

Dann verrate ich jetzt noch, dass sich die Geschichte wiederholt: Ich glaube, dass meine beiden Kinder musikalisches Talent ohne Ende haben, Jenny singt und spielt teuflisch gut Klavier, und Simon ist einer der besten Schlagzeuger, die ich kenne. Seit kurzem trommelt er bei einer Rockband namens "Elmsfeuer"- klickt's mal an!

Meine Hobbies sind: Gutes Leben, gut essen und trinken, Kurzweil, gute (aber nur die!) Witze, gute Filme, gute Bücher und straighte music. Thomas hat mich neulich nach meinem Lieblingssong gefragt; uiii --- da gibt's viele.
"Jump", "Highway Star", manchmal sogar ein paar BEATLES-Sachen, auch einige alten Stones-Titel sind gut. In letzter Zeit höre ich wieder öfter AC/DC-Nummern mit Bon Scott, und dann gibt's auch so interessante Bands wie DREAM THEATER oder KULA SHAKER. Aber meine Lieblingsband ist AEROSMITH seit dem Album "Pump", und mein Favorit ist "Amazing".  Das haut am meisten rein.

 

So, das soll's gewesen sein, ist ja schon 'ne ganz schöne Nabelschau geworden. Und Lupo hat recht: Man könnte so viel erzählen, das würde alle Festplatten sprengen. Aber dann komm ich mir vor wie mein Opa, wenn er von der Schlacht bei Verdun 1916 erzählte...

Eines muss ich aber noch dringend klären: Die Kategorie "Einige der überflüssigsten Rock-/Pop-Songs, die je geschrieben wurden".

Also da fallen mir viel zu viele Songs ein. Am besten hört Ihr mal die üblichen Rhein-Main-Radiosender, vorneweg die beiden meistgehörten, da habt Ihr dann alles rauf- und runtergenudelt, was mir stinkt: Sachen von Roxette, Nickelback, der neuere und zahnlose Joe Cocker, Scorpions, Bon Jovi nach der "New Jersey" und wie diese Bands alle heißen, die so tun als wären sie Rocker --- dabei aber auf die Zielgruppe Kurz-vor-der-Rente-aber-ich-hör-noch-Rock abzielen. Was mir auch nicht so sehr gefällt, das sind 90% der NEW-DEAL-Titel aus den ersten fünf Jahren, aber so war's halt, gehört dazu - und man wächst ja schließlich an seinen Aufgaben!!!


Macht's gut, bis bald mal wieder! Euer Fred.